Frieden & Sicherheit



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28.01.2005

Krisen und Konflikte


Krisen und Konflikte

Internationaler Terrorismus

Nicht erst seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington geht vom internationalen Terrorismus weltweit unmittelbare Gefahr für die Sicherheit aus. Mit ihren Anschlägen wollen Terroristen Menschen einschüchtern und das Vertrauen in den Staat und seine Regierung zerstören. Nicht nur in Afghanistan oder im Irak, sondern auch in Deutschland bedroht der internationale Terrorismus Frieden und Sicherheit.

Terrorismus gestern …

„Allgemein schätzen sich Terroristen anders ein, als die Bevölkerung und Gesellschaft das tun. Terroristen halten sich grundsätzlich für Freiheitskämpfer oder Kämpfer für die Rechte der Unterdrückten.“ (Kai Hirschmann: Internationaler Terrorismus als sicherheitspolitische Herausforderung. In: Woyke/Rinke (Hrsg.): Frieden und Sicherheit im 21. Jahrhundert, Opladen 1994)

Am 139. Geburtstag von Mahatma Ghandi in Indien

… und heute

„Die früher übliche Trennlinie zwischen denen, die anzugreifen sind, und denen, die verschont werden sollen, existiert heute nicht mehr. Es geht zunehmend um undifferenzierten Massenmord als Medienereignis, um mittelbar politischen Druck auf den Gegner auszuüben.“ (Kai Hirschmann: Internationaler Terrorismus. In: Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik, Opladen und Farmington Hills 2006)

Die Arten und Begründungen für Terrorismus haben sich in den letzten Jahren verändert. In den 1970er- und 1980er-Jahren haben rechts- und linksextremistische Gruppen – in Deutschland zum Beispiel die Rote Armee Fraktion (RAF) – mit Gewalt für eine neue Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gekämpft. Anderen Terrororganisationen wie der nordirischen IRA oder der baskischen ETA ging es hingegen eher um regionale Forderungen, zum Beispiel um staatliche Autonomie. Beim internationalen Terrorismus stehen weltanschauliche und religiöse Gründe wieder im Vordergrund. Diese Terrorgruppen sind über Grenzen hinweg organisiert. Sie bewegen sich frei in vielen Ländern und haben Stützpunkte in Staaten, die sie unterstützen. Sie nutzen moderne Kommunikationstechniken und Verkehrsverbindungen.

Verwundbare Demokratien

Demokratien sind offene Gesellschaften. Die Menschen können sich darin frei bewegen und haben weit gehend ungehindert Zugang zu öffentlichen Einrichtungen. Demokratien bieten deshalb ein ideales Ziel für Terroranschläge. Die Taten werden systematisch geplant und sollen Angst erzeugen. Der demokratische Staat und seine Bürger sollen dadurch geschwächt werden. Hinzu kommt, dass es umstritten und schwierig ist, schärfere Schutz- und Antiterrormaßnahmen in einer Demokratie durchzusetzen. Ein demokratischer Staat darf es sich nicht erlauben, Menschenrechte und Bürgerfreiheiten zu verletzen, weil er damit seine eigenen Ideale verraten würde.

Religiös motivierter Terrorismus

Terrorismus begegnet uns heute häufig als religiös motivierter, derzeit meist islamistischer Terror. In den Augen islamistischer Fundamentalisten sind die USA ein „Hort des Satans“ und die westlichen Staaten die „Lakaien“ dieser Großmacht, die ihren „schädlichen“ Einfluss auf die ganze Welt ausdehnen möchte. Die islamischen Staaten stellen nach Ansicht islamistischer Fundamentalisten das „Bollwerk Allahs“ dar, das es zu verteidigen gilt.

Bei vielen jungen, in materiell und sozial schwierigen Verhältnissen lebenden Menschen in der arabischen Welt zündet eine solche Argumentation. Sie fühlen sich durch die politische und wirtschaftliche Macht des Westens gedemütigt; gleichzeitig empfinden sie die westliche Kultur als moralisch verwerflich. Diese Stimmung nutzen terroristische Führer für ihre Zwecke. Die neueste Entwicklung zeigt, dass sich auch zum Islam übergetretene Deutsche zu Kämpfern ausbilden lassen.

Der fundamentalistisch begründete Terrorismus in seiner gefährlichsten Form setzt auf Selbstmordattentate, gegen die es keinen ausreichenden Schutz gibt. Die Attentäter berufen sich dabei auf den Islam. Der traditionelle Islam kennt jedoch keine Rechtfertigung für Selbstmordattentate, mit denen andere – zumeist völlig Unbeteiligte – in den Tod gerissen werden.

Chronik des Terrors

+++New York und Washington, 11. September 2001 +++ mehr als 3.000 Tote +++ Terroristen der Organisation Al-Qaida steuern entführte Passagierflugzeuge in das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Eine vierte Maschine stürzt in Pennsylvania ab. +++

+++Djerba, 11. April 2002 +++ 21 Tote +++ Anschlag auf eine Synagoge auf der tunesischen Ferieninsel Djerba. Die Opfer sind vor allem Touristen, darunter 14 Deutsche. +++

+++Bali, 12. Oktober 2002 +++ 202 Tote +++ Bombenanschlag auf einen Nachtclub der indonesischen Insel, der vor allem von Australiern besucht wird. +++

+++Riad, 12. Mai und 8. November 2003 +++ 53 Tote +++ Anschläge in der Hauptstadt von Saudi-Arabien. +++

+++Istanbul, 15. und 20. November 2003 +++ 57 Tote +++ Ziele der Selbstmordattentäter sind jüdische Synagogen und britische Einrichtungen in der türkischen Metropole. +++

+++Madrid, 11. März 2004 +++ 191 Tote +++ Anschläge auf mehrere Nahverkehrszüge in der spanischen Hauptstadt. +++

+++ Beslan, 1. bis 3. September 2004 +++ fast 400 Tote +++ Mehr als 1.300 Kinder und Erwachsene werden von tschetschenischen Terroristen in einer Schule der nordossetischen Stadt als Geiseln gehalten. +++

+++ London, 7. Juli 2005 +++ 56 Tote +++ In der britischen Hauptstadt explodieren in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus die Sprengsätze von vier Selbstmordattentätern. +++

+++Scharm El-Scheich, 23. Juli 2005 +++ 88 Tote +++ Zeitlich koordinierte Attentate auf Hotels und Märkte des ägyptischen Badeortes. +++

+++Bombay, 11. Juli 2006+++ fast 200 Tote +++ In der indischen Metropole detonieren sieben Sprengsätze in Vorortzügen und auf zwei Bahnhöfen. +++

+++Dortmund und Koblenz, 5. September 2006 +++ In Dortmund und Koblenz werden zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden. Aufgrund handwerklicher Fehler explodierten die Bomben nicht. +++

+++Kahatanija, 15. August 2007 +++ mehr als 200 Tote +++ Selbstmordattentäter sprengen gleichzeitig vier Tanklastwagen in der Nähe der irakischen Stadt in die Luft. +++

+++ Kandahar, 17. Februar 2008 +++ 80 Tote +++ Ein Selbstmordattentäter sprengt sich bei einem Hundekampf in der afghanischen Stadt in die Luft. +++

+++ Mumbai, 26. November 2008 +++ mehr als 170 Tote +++ Anschlagserie auf Luxushotels und ein jüdisches Zentrum in der indischen Finanzmetropole.
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Links Internationaler Terrorismus

+++ Internetangebot des Auswärtigen Amts: www.auswaertiges-amt.de +++ Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung zur Förderung des demokratischen und politischen Bewusstseins: www.bpb.de +++ Forum junger Wissenschaftler für Ideen- und Informationsaustausch:www.netzwerk-terrorismusforschung.de +++ Website der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V.: www.dgap.org +++

Weiterdenken

Plenum: Was verstehen Sie unter einem „Terroristen“, was unter einem „Freiheitskämpfer“? Diskutieren Sie den Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Begriffen.

Einzelarbeit: Lesen Sie sich die Doppelseite durch, und sammeln Sie anschließend alle genannten Merkmale des internationalen Terrorismus. Vergleichen Sie Ihre Aufstellung mit der Ihres Nachbarn.

Gruppenarbeit: Recherchieren Sie pro Team zwei bis drei der in den Schlagzeilen angerissenen Anschläge im Internet: Woher kamen die Terroristen? Welche Motive hatten sie? Wie ist der Stand der Ermittlungen heute?

Partnerarbeit: Lesen Sie gemeinsam die Abschnitte „Religiös motivierter Terrorismus“ und „Verwundbare Demokratien“ und betrachten Sie die Karikatur. Bearbeiten Sie anschließend die folgenden Aufgaben:

a) Welche Faktoren tragen zur Ausbreitung des Terrorismus bei?

b) Entwickeln Sie mögliche staatliche Gegenmaßnahmen.

Lehrer-Info

Methodische und didaktische Hinweise zu diesem Kapitel finden Sie hier.

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